Auswerfersystem-Design: Auswahl von Stiften, Hülsen und Messern
Wie plant man Auswerfertyp, -anzahl und -anordnung, um das Teil ohne Spuren und Verzug zu entformen?
Ist das Auswerfersystem unzureichend, bleibt das Teil in der Form hängen, verzieht sich, zeigt weiße Spannungsspuren oder eine Druckstelle/Einfallstelle an der Stelle des Auswerferstifts. Gutes Design verteilt die Kraft möglichst gleichmäßig auf die stabilsten Stellen des Teils.
Auswerfertypen
- Auswerferstift: Die gängigste und günstigste Lösung. Wird auf flachen Flächen und stabilen Stellen wie Rippen/Bossen eingesetzt. Auf Sichtflächen vermieden, da er Spuren hinterlassen kann.
- Hülsenauswerfer (Sleeve): Drückt rundum einen Boss (z. B. eine kreisförmige Schraubenaufnahme); die Kraft verteilt sich gleichmäßiger, das Spurenrisiko ist geringer als beim Stift. Teurer als ein Stift.
- Messerauswerfer (Blade): Wird bei dünnen Rippen und engen/langen Bereichen eingesetzt, in die ein runder Standardstift nicht passt.
- Abstreifplatte/-ring (Stripper plate/ring): Wird bei dünnwandigen, symmetrischen Teilen (Eimer, Deckel) bevorzugt, um über den gesamten Umfang gleichmäßige Kraft aufzubringen; Stiftspuren entfallen vollständig, die Formkosten steigen jedoch.
Anordnungsregeln
- Kraft auf stabile Stellen legen: Rippen, Bosse, Wandfüße und andere steife Bereiche werden bevorzugt; ein Stift auf einer flachen, dünnen Wand erhöht das Risiko von Verzug/Spuren.
- Symmetrisch verteilen: Eine auf einer Seite konzentrierte Auswerferanordnung kippt das Teil beim Herausdrücken; die Anordnung sollte um den Schwerpunkt ausgewogen sein.
- Anzahl mit der Entformungstiefe erhöhen: Teile mit tiefem Kern (Boxen, Eimer) benötigen mehr als eine Stiftreihe; eine zweite Reihe oder Hülsen/Abstreifer können nötig sein.
- Auswerfergeschwindigkeit/-druck einstellen: Selbst eine korrekte Anordnung kann bei falscher Geschwindigkeit/Druck Spuren hinterlassen; üblich ist ein langsamer Start mit stufenweiser Beschleunigung.
Häufiger Fehler
Auswerferstifte sollten nicht nur nach "wo noch Platz ist" geplant werden, sondern auch nach der Druckverteilung der Schmelze während der Füllung; fehlt die Stiftunterstützung an der Stelle mit dem höchsten Druck (meist nahe dem Anschnitt), kann das Teil dort haften bleiben.
Praktischer Hinweis
Liegt eine Formfüllungsanalyse (Mold-Flow) mit einer Druckverteilungskarte vor, verringert die Abstimmung der Auswerferstifte mit den Hochdruckpunkten dieser Karte die Anzahl der Versuche.
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