Europas Kunststoffrecycler unter Margendruck: rund 1 Million Tonnen Kapazität in drei Jahren verloren
Laut BIR-Bericht vom Oktober 2026 sind die Preise für recyceltes PE und PP stabil bis leicht rückläufig, während Neuware-PP fester wurde; die verbindlichen Rezyklatquoten der PPWR gelten im Allgemeinen ab 2030.

Der Kunststoffbericht des Bureau of International Recycling (BIR) vom Oktober 2026 zeichnet ein schwieriges Bild für Europas Recycler. Die erwartete Erholung nach dem Sommer ist ausgeblieben; die Nachfrage ist schwach, Käufer sind vorsichtig, und Recycler können höhere Kosten kaum weitergeben.
- Preise: Neuware-PP hat sich gefestigt, bei PE gibt es Kostendruck nach oben. Die Preise für recyceltes PE und PP sind je nach Qualität dagegen stabil bis leicht rückläufig. Naturfarbenes und transparentes LDPE/HDPE schneidet besser ab als gemischtfarbige Industriequalitäten.
- Kapazität: Laut Plastics Recyclers Europe gingen in Europa in rund drei Jahren etwa 1 Million Tonnen Recyclingkapazität verloren; vorläufige Daten für 2025 zeigen beschleunigte Schließungen. Gründe: hohe Betriebskosten und schwache Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Neuware und günstigen Importen.
- Fracht: Ende September lagen die Spotraten Fernost–Nordeuropa rund 29 % und Fernost–Mittelmeer rund 38 % unter dem Stand vom 1. Juli; das verbilligt asiatische Rezyklate und Neuware in Europa.
- Regulierung: Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) gilt seit dem 12. August 2026, verbindliche Rezyklatanteile für Kunststoffverpackungen greifen aber im Allgemeinen erst ab dem 1. Januar 2030 (bzw. drei Jahre nach dem jeweiligen Durchführungsrechtsakt). Außerhalb der EU verarbeitetes Rezyklat zählt bis zum 21. November 2027 im Allgemeinen nicht zur 25-%-Quote für PET-Flaschen; ein Importverbot ist das nicht.
Was bedeutet das für Spritzgießer?
Für türkische Spritzgießer mit EU-Kunden gibt es zwei Botschaften: Käufer unterscheiden Rezyklat inzwischen nach Qualität, Konstanz, Rückverfolgbarkeit und Zertifizierung; und die Anrechnung von außerhalb der EU verarbeitetem Rezyklat auf EU-Ziele unterliegt eigenen Regeln. Wer einem EU-Kunden rPP/rPE anbietet, sollte Zertifikate und Herkunftsnachweise vorab anfordern. Zum Abfallhandel Türkei–EU siehe unsere Meldung zur Entscheidung der EU-Kommission.
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