Fehlerbehebung

Unterspritzung (Short Shot): Ursachen und die schnellste Lösungsreihenfolge

Wenn die Kavität nicht vollständig füllt, wo sollten Sie zuerst nachsehen? Eine in der Praxis bewährte Prüfreihenfolge, von kostenlos bis teuer.

16. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit

Unterspritzung (Short Shot) bedeutet, dass die Schmelze die Kavität nicht vollständig füllt. Die am weitesten entfernte Stelle des Teils bleibt unvollständig. Da es viele mögliche Ursachen gibt, spart ein Vorgehen der Reihe nach statt wahlloser Einstellungsänderungen sowohl Zeit als auch Ausschuss.

1. Zuerst: "Ist wirklich genug Material vorhanden?"

  • Dosierung und Polster: Ist das Polster (Cushion) in jedem Zyklus gleich? Fällt das Polster auf null, ist die Dosierung unzureichend. Schwankt das Polster von Zyklus zu Zyklus, leckt möglicherweise das Rückstromsperrventil (Check Ring).
  • Liegt das Schussvolumen nahe an der Maschinenkapazität (z. B. über 80 %), sinkt die Dosierpräzision; eventuell ist eine Maschine mit kleinerer Schnecke oder größerer Kapazität nötig.

2. Begrenzt der Druck, oder die Geschwindigkeit?

Bei geschwindigkeitsgeregeltem Füllen erzeugt die Maschine den Druck, der nötig ist, um die eingestellte Geschwindigkeit zu halten. Stößt sie an die Druckgrenze, sinkt die Geschwindigkeit still und leise und die Kavität füllt nicht.

  • Klebt die Hydraulikdruckanzeige während des Füllens an der Grenze, erhöhen Sie das Limit (bis zur von der Maschine erlaubten Grenze).
  • Ist das Limit bereits am Maximum, liegt das Problem nicht an der Maschinenleistung, sondern am Fließwiderstand: dünne Wand, kleiner Anspritzpunkt, langer Fließweg.

3. Temperaturen

Mit sinkender Masse- und Werkzeugtemperatur steigt die Viskosität, die erstarrte Randschicht wird dicker, und der Fluss stoppt. Der Reihe nach:

  1. Massetemperatur innerhalb des Bereichs im Datenblatt des Werkstoffs erhöhen (nicht an die Obergrenze herangehen, Zersetzungsrisiko).
  2. Werkzeugtemperatur erhöhen; bei dünnwandigen Teilen ist die Wirkung groß.
  3. Heißkanal-Zonentemperaturen prüfen; ein einzelner defekter Heizer allein kann das Problem verursachen.

4. Geometrie: Verhältnis Fließweglänge/Wandstärke

Steigt das Verhältnis von Fließweglänge zu Wandstärke (L/T), wird das Füllen schwieriger. Der Grenzwert variiert je nach Werkstoff: bei fließfähigen Werkstoffen hoch, bei viskosen und gefüllten Werkstoffen niedrig. Liegt das Verhältnis am Grenzwert, liegt die Lösung nicht im Prozess, sondern in der Konstruktion: Wandstärke erhöhen, Anspritzpunkt vergrößern oder einen zweiten Anspritzpunkt hinzufügen.

5. Entlüftung

Kann die Luft nicht entweichen, wird sie eingeschlossen und stoppt die Schmelze. Unterspritzung und Brandstellen treten meist gemeinsam an der zuletzt füllenden Stelle des Teils auf. In diesem Fall kann paradoxerweise das Senken der Geschwindigkeit das Problem verringern. Das dauerhafte Mittel ist, einen Entlüftungskanal ins Werkzeug einzubringen.

Unterspritzungsstudie (Short Shot Study)

Versuchen Sie nicht, das Teil in einem Schuss zu lösen: Reduzieren Sie die Dosierung und füllen Sie das Teil zu 50 %, 75 %, 90 % und fotografieren Sie jeden Schritt. So sehen Sie, wie die Schmelzefront vorrückt, wo sie sich verlangsamt und welche Ecke zuletzt füllt. Auf diese Weise finden Sie durch Beobachtung statt durch Raten heraus, ob das Problem am Anspritzpunkt, an der Fließbalance oder an der Entlüftung liegt.

Hinweis: Dieser Beitrag beschreibt eine allgemeine, in der Praxis bewährte Prüfreihenfolge. Das Datenblatt Ihres Werkstoffs und Werkzeugs sowie die Empfehlungen des Werkzeugbauers haben immer Vorrang.

Unser Rechner prüft für das von Ihnen eingegebene Teil und die Maschine das L/T-Verhältnis, den erforderlichen Druck und das Maschinenlimit. Sieht die Füllung unzureichend aus, gibt er auf der Ergebnisseite eine Warnung: Rechner öffnen.

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