SPI-Oberflächenstandards: Wie wählt man den Polierschliff der Form?
Was bedeuten die SPI-Klassen A1-A3, B1-B3, C1-C3 und D1-D3, und welche Klasse reicht für welches Teil und Material?
Die Oberflächenqualität von Kavität und Kern wird nach der SPI-Klassifizierung (Society of the Plastics Industry) beschrieben. Vier Hauptgruppen, jede mit drei Unterstufen (1 am feinsten, 3 am gröbsten).
Die vier Hauptgruppen
- SPI A (Spiegelpolitur): Mit Diamantpaste poliert (A1 am feinsten, A3 gröber). Für optische Linsen, kosmetische Verpackungsdeckel und Produkte mit hohem sichtbarem Glanz. Die teuerste und arbeitsintensivste Klasse.
- SPI B (Feinschleifen/Schmirgeln): Mit Schleifpapier bearbeitet (B1 etwa 600 Körnung, B3 etwa 320 Körnung), ergibt eine matte, aber glatte Oberfläche. Standardwahl für allgemeine Konsumgüter.
- SPI C (Stein-/Bürstenstruktur): Mit Schleifscheibe oder Bürste texturiert; leicht matte Oberfläche mit hoher Kratztoleranz (innere Mechanikteile, verdeckte Flächen).
- SPI D (Sand-/Glasperlenstrahlen oder Erosion): Die gröbste Textur; für bewusste Texturen (Ledereffekt, griffige Oberfläche) oder zur Kostensenkung.
Was bestimmt die Wahl?
- Sichtbarkeit: Sichtbare, berührte Flächen rechtfertigen eine feinere Klasse; verdeckte/innere Flächen sind mit B oder C gut bedient.
- Material: Gefüllte Kunststoffe (Glasfaser, Talkum) halten eine sehr feine Politur (A1) nicht gut – Faserdurchzeichnung kann mit der Zeit an der Oberfläche erscheinen. Ungefülltes PC oder Acryl eignen sich gut für Klasse A.
- Entformungswinkel: Bei tiefen Teilen mit geringer Entformungsschräge kann eine gröbere Textur (B/C) die Reibung verringern und das Entformen erleichtern; eine glänzende A-Oberfläche erhöht manchmal das Anhaften.
- Kosten/Zeit: Eine A1-Politur kann pro Kavität Tage dauern; Klasse B ist in Stunden fertig. Eine feinere Klasse als nötig zu verlangen, treibt das Budget ohne Nutzen in die Höhe.
Praktischer Hinweis
Die Oberflächenklasse sollte vor der Werkzeugbestellung schriftlich in der technischen Zeichnung festgelegt werden; eine mündliche Vorgabe wie "soll glänzen" führt später zu Auslegungsunterschieden und Kostenstreit.
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