Werkzeugkonstruktion

Werkzeugentlüftung (Venting): eine wenig besprochene, aber sehr wirksame Einstellung

Kann die Luft in der Kavität nicht entweichen, entstehen Brandstellen, Unterspritzung oder uneinheitliche Füllung. Lage und Größe der Entlüftung und die Falle "erst Geschwindigkeit/Druck erhöhen".

19. Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit

Vor dem Einspritzen ist die Kavität mit Luft gefüllt. Tritt die Schmelze ein, muss diese Luft irgendwo entweichen; kann sie das nicht, wird sie eingeschlossen, erhitzt sich beim Verdichten und stört die Füllung. Venting (Entlüftung) schafft einen Entweichungsweg für diese Luft — ein leicht übersehenes, aber wirkungsvolles Thema der Werkzeugkonstruktion.

Anzeichen schlechter Entlüftung

  • Brandstelle / Dieseleffekt: Dunkelbraune, schwarze oder verbrannt aussehende Flecken in dem Bereich, der zuletzt füllt. Die eingeschlossene Luft überhitzt beim Verdichten, manchmal bis zu einer Temperatur, die das Material tatsächlich entzündet (vergleichbar mit der Selbstzündung im Dieselmotor, daher "Dieseleffekt").
  • Unterspritzung (Short Shot): Steigt der Druck der eingeschlossenen Luft, wirkt sie wie ein "Luftpfropfen" vor der Schmelze; der Fluss verlangsamt sich oder stoppt, die Kavität füllt sich nicht vollständig. (Weitere mögliche Ursachen für Unterspritzung siehe Leitfaden zur Unterspritzung.)
  • Uneinheitliche Füllung/Teilegewicht: Von Zyklus zu Zyklus schwankende Ergebnisse bei gleicher Einstellung liegen oft daran, dass die Luft mal entweicht und mal eingeschlossen bleibt.

Wo wird entlüftet

Vents werden an den Stellen platziert, die bei der Füllanalyse oder bei Unterspritzungsversuchen zuletzt füllen — meist die Trennebene, Auswerferstifte und die vom Anspritzpunkt am weitesten entfernten Ecken. Auch Stellen, an denen Bindenähte entstehen (wie im Beitrag Bindenaht und Lufteinschluss beschrieben), benötigen häufig eine Entlüftung.

Größe: Tiefe und "Land"

Ein Vent wird durch zwei Maße bestimmt: die Tiefe (der schmale Spalt, durch den die Luft strömt) und wie weit dieser Spalt reicht (das Land). In der Praxis gilt:

  • Das Land wird kurz gehalten (etwa 1 mm), danach öffnet sich die Luft in einen tieferen Ablasskanal — Ziel ist, dass die Luft tatsächlich frei entweichen kann.
  • Die Tiefe hängt vom Werkstoff ab: enger (etwa 0,010–0,020 mm) bei dünnflüssigen (niedrigviskosen) Werkstoffen, etwas weiter (etwa 0,020–0,030 mm) bei Allzweckwerkstoffen wie ABS/PC, und bei gefüllten/hochviskosen Werkstoffen etwas darüber. Das Vent muss eng genug sein, um die Schmelze zurückzuhalten, aber nicht so flach, dass es die Luft blockiert.
  • Die Breite wird möglichst groß gehalten; ein schmales Vent "etwas länger" zu machen, ersetzt nicht die richtige Einstellung der Tiefe.

Häufiger Fehler: Luft mit Druck "herauszwingen"

Treten Brandstellen oder Unterspritzung auf, ist der erste Reflex meist, Einspritzgeschwindigkeit oder -druck zu erhöhen. Das kann die Luft schneller verdichten und das Problem vergrößern. Die richtige Reihenfolge ist, zuerst der Luft einen Entweichungsweg zu öffnen (Vent hinzufügen/vergrößern, an die richtige Stelle verlegen) und erst danach, falls nötig, Geschwindigkeit/Druck anzupassen.

*Dieser Beitrag basiert auf Artikeln zur Werkzeugentlüftung aus internationalen Quellen wie PTonline.com und PlasticsToday.com.*

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