Werkzeugkonstruktion

Heißkanal oder Kaltkanal? Ein Entscheidungsleitfaden

Vergleich der beiden Systeme hinsichtlich Kosten, Zykluszeit, Abfall und Werkstoff, und wann welches passt.

16. Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit

Das Angusssystem besteht aus den Kanälen, die den Kunststoff zum Anspritzpunkt führen. Ein Kaltkanal erstarrt in jedem Zyklus zusammen mit dem Teil und wird entweder verworfen oder wiederaufbereitet (Mahlgut). Ein Heißkanal hält die Schmelze mit einem beheizten Verteiler bis zum Anspritzpunkt heiß; es entsteht kein Angussteil.

Vergleich

HeißkanalKaltkanal
WerkzeugkostenHochNiedrig
AngussabfallKeinerVorhanden (Mahlgutaufbereitung nötig)
ZykluszeitMeist kurzAngussdicke kann die Zeit bestimmen
EinspritzdruckNiedriger (kurzer Weg)Höher
Farb-/MaterialwechselSchwierig, langsamEinfach
WartungHeizelement-, Thermoelement-, DüsenpflegeEinfach
Hitzeempfindlicher WerkstoffErfordert SorgfaltBesser geeignet

Wann ist ein Heißkanal die richtige Wahl?

  • Hohe Stückzahl: Angussabfall und Zyklusgewinn amortisieren die Werkzeugkosten schnell.
  • Teurer Werkstoff (technische Kunststoffe, gefüllte Typen): Angussabfall ist ein bedeutender Kostenfaktor.
  • Dünnwandige oder Mehrfachwerkzeuge: kurzer Fließweg, niedrigerer Druck, ausgeglichene Füllung.
  • Automatisierung: Da der Anguss nicht abgetrennt werden muss, wird die Teileentnahme per Roboter einfacher.

Wann ist ein Kaltkanal die richtige Wahl?

  • Geringe Stückzahl oder Prototypenwerkzeuge.
  • Aufträge mit häufigem Farb- oder Materialwechsel.
  • Sehr hitzeempfindliche Werkstoffe (z. B. PVC): Ein Heißkanal birgt wegen der Verweilzeit ein Zersetzungsrisiko.
  • Wenn Budget und Wartungskapazität begrenzt sind.

Die Kaltkanal-Falle

Ist der Kaltkanal dick, kühlt er langsamer als das Teil ab, und das bestimmt den Zyklus. Die Entformung muss dann auf die Abkühlung des Angusses warten, nicht auf die des Teils. Wählen Sie den Angussdurchmesser deshalb nicht unnötig groß; der Anguss sollte den kleinsten Durchmesser haben, der den Fülldruck noch ohne unnötigen Verlust zu den Kavitäten bringt. Andernfalls steigen sowohl Druckabfall als auch Kühlzeit.

Dazwischen: Hybridlösungen

Es gibt Systeme, die eine Heißkanal-Spitzendüse mit Kaltkanalverteilung kombinieren, oder nadelverschlussgesteuerte Heißkanäle, die keine Spur auf der Teileoberfläche hinterlassen; die Wahl sollte zusammen mit dem Werkstoff- und Werkzeugkonstrukteur getroffen werden.

Im Rechner können Sie den Angusstyp auswählen und dessen Wirkung auf Druckverteilung und Zyklus sehen; kühlt der Kaltkanal langsamer als das Teil, erhalten Sie eine Warnung.

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