Mahlgut (Regrind) und Recyclingmaterial-Management: Wie viel darf zugemischt werden?
Qualitätsrisiken, Kontrollpunkte und Dokumentation bei der Wiederverwendung von Angüssen und Ausschussteilen.
Mahlgut (Regrind) zu verwenden senkt die Kosten, aber jeder Durchlauf ermüdet das Polymer etwas. Falsch gemanagt, führt es zu uneinheitlicher Schwindung, Sprödigkeit und Farbproblemen.
Was passiert bei jedem Durchlauf?
Bei jeder thermischen und mechanischen Verarbeitung (Mahlen, Trocknen, Aufschmelzen, Einspritzen) verliert Kunststoff etwas an Molekulargewicht (die Ketten verkürzen sich). Wie stark dieser Verlust ausfällt, hängt stark vom Material ab:
- PP, PE: Vertragen in der Regel einige Zyklen, aber Viskosität und Schlagzähigkeit verändern sich langsam.
- PC, PET, PA, PBT: Feuchtigkeits- und temperaturempfindlich; feuchtes Mahlgut unterliegt der Hydrolyse und baut sich schnell ab. Trocknung und Mengenkontrolle sind entscheidend.
- Faserverstärkte Qualitäten: Beim Mahlen verkürzt sich die Faserlänge, die Festigkeit sinkt.
- POM, PVC: Bauen sich bei übermäßiger Hitze ab; Temperatur und Verweilzeit sind wichtig.
Kontrollpunkte
- Sauberkeit: Mahlgut darf keinen Staub, Feinanteil oder Fremdkörper enthalten. Sieb- und Magnet-/Metallabscheider verwenden.
- Feuchtigkeit: Mahlgut unter denselben Bedingungen wie das Neumaterial trocknen; feiner Staub nimmt schneller Feuchtigkeit auf.
- Mischungsverhältnis: Das Verhältnis konstant und begrenzt halten. Bei zertifizierten oder kritischen Teilen die Kundenspezifikation einhalten; in vielen Anwendungen wird eine Obergrenze diskutiert (z. B. 10–25 %), dies hängt jedoch von Kunde und Qualitätssystem ab.
- Homogenität der Mischung: Das Verhältnis durch Dosierung (gravimetrisch) und in einer Mischeinheit herstellen; händisches Einschaufeln in einen Eimer lässt das Verhältnis schwanken.
- Partikelgröße: Zu grobes oder zu feines Granulat stört Dosiergenauigkeit und Zuführstabilität.
- Rückverfolgbarkeit: Für jede Charge Mahlgutanteil, Herkunft und Anzahl der Durchläufe dokumentieren.
Wo es nicht geeignet ist
- Bei Teilen mit Sicherheitsanforderung und vollständiger Produktspezifikation (z. B. Lebensmittelkontakt, Medizin, Automobilsicherheit) ist die Verwendung von Mahlgut meist eingeschränkt oder verboten; Kunden- und Vorschriftsanforderungen prüfen.
- Bei optischen, transparenten und sehr dünnwandigen Teilen wird selbst eine geringe Degradation sichtbar.
Versteckte Kosten: Teileschwankung
Schwankungen im Mahlgutanteil verändern die Viskosität und damit das Füll- und Nachdruckverhalten. Ist der Prozess auf einen bestimmten Mahlgutanteil eingestellt und steigt der Ausschuss bei Änderung des Verhältnisses, liegt hier die Ursache.
Hinweis: Verhältnis und Grenzen richten sich nach Ihrem Produkt, der Spezifikation und der Empfehlung des Werkstoffherstellers. Dieser Beitrag ist ein allgemeiner Rahmen.
Einzelheiten zu Schlieren, Sprödigkeit und Farbproblemen beim Einsatz von Mahlgut finden Sie im Fehlerratgeber.
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